Connichi 2015 – Interview mit Herrn Münchow und Herrn Nakata!

Freitag, 2.Oktober.2015

Am Sonntag der Connichi 2015 war ich wohl am aufgeregtesten. Es war mit möglich ein Interview mit Torsten Münchow und Joujo Nakata zu führen! Eigentlich hatte ich nur das Interview mit Herrn Nakata gehabt aber durch den Ausfall von Rihito Takarai wurde spontan gesagt, dass Herr Münchow auch dabei sein wird. Ihr könnt euch vorstellen, wie viel Herzrasen ich hatte. Glücklicherweise war Lunasa mit dabei, der mich immer wieder beruhigt hat. Dankeschön!

Bevor ich das Interview wiedergebe, möchte ich euch Torsten Münchow und Jouji Nakata etwas vorstellen.

Herr Münchow ist ein bekannter deutscher Schauspieler, welcher in Filmen wie „Dirty Sky“, Keep on running“, oder „Schattenspiel“ mitspielte. Dazu werden einige Fernsehserien mit ihm gedreht. Darunter fallen beispielsweise „Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg“ oder „Der Alte“.

Dazu spricht er in über 40 Hörbüchern und gibt Charakteren in einigen Filmen, Spielen und Anime seine Stimme. Im Anime-Bereich spricht er beispielsweise Alucard aus (Hellsing, Hellsing Ultimate) oder den Dämon Joyrock (Slyers: Perfect).

Herr Nakata ist ursprünglich ein japanischer Schauspieler, welcher dann in die Synchronisation von Charakteren übergegangen ist. Hauptsächlich spricht er Charaktere aus verschiedenen Anime-Serien, aber einige Film- und Spielcharaktere haben seine Stimme bekommen.

Im Anime-Bereich kennt man seine Stimme beispielsweise als Alucard (Hellsing, Hellsing Ultimate), Falken (Visions of Escaflowne), MPU (Cowboy Bebop), Bando (Elfen Lied), Momochi Ginsa (Samurai Champloo), Kotomine Kirei (Fate/-Reihe) und Alexander Gustav Newton (TERRA FORMARS).

Zur Übersichtlichkeit wird das Interview farblich betont. Herr Münchow bekommt die Farbe Blau, Herr Nakata die Farbe Grün, Lunasa die Farbe Schwarz und meine Wenigkeit bleibt beim Lila.

Kommen wir zum Interview mit Herrn Münchow und Herrn Nakata!

Ryuki.de: Guten Tag Herr Münchow und Herr Nakata! Vielen Dank für dieses Interview. Ich möchte mich vorab einmal kurz vorstellen, dass Sie wissen mit wem Sie es zu tun haben. Mein Name ist Lina Gerlitz und ich betreibe einen Anime- und Mangablog. Dort schreibe ich über die verschiedensten Themen aus dem Fanbereich. Es ist für mich das erste Mal ein Interview mit Ehrengästen zu führen und deswegen bin ich super aufgeregt. Ich hoffe, man merkt es nicht so.

Damit wir auch über etwas sprechen können habe ich ein paar Fragen vorbereitet und würde die erste gleich an Herrn Nakata stellen.

Da sie sehr viele verschiedene Charaktere sprechen, bereiten Sie sich speziell darauf vor? Machen Sie beispielsweise ein Stimm-Training?

Herr Nakata: Für mich ist es wichtig mit emotional auf den Charakter einzustellen. Das ist ein wichtiger Faktor. Beim Stimm-Training übt man beispielsweise oft Tierstimmen um ein tiefes Grollen oder ein hohes Miauen gut rüberzubringen.

Ryuki.de: Wie zum Beispiel die tiefe Stimme von Alucard im Vergleich zum hellstimmigen Nyanta-San aus Log Horizon?

Herr Nakata: Ja, genau!
Das Wichtigste ist aber, was Herr Münchow sicherlich bestätigen wird, dass man sich persönlich wohl und fit fühlt. Man sollte sehr auf den gesundheitlichen Aspekt achten.

Ryuki.de: Gab es Rollen, die Ihnen besonders Spaß gemacht haben oder schwer gefallen sind Herr Nakata?

Herr Nakata: Am meisten Spaß hatte ich mit Alucard, da ich den Charakter sehr mag!

Herr Münchow: Da schließ ich mich an!

Herr Nakata: Rollen, die mir nicht unbedingt schwer fallen, aber wo ich sehr aufgeregt bin, sind beispielsweise bei der Serie „Working!!“ gewesen. Da habe ich einen Charakter gesprochen, der sehr schwach ist.

Ryuki.de: Schauen Sie denn privat durch Ihre Sprechrollen Anime-Serien?

Herr Münchow: Bei mir hat es eigentlich als Kind schon angefangen, da ich da „Biene Maya“ oder „Nils Holgerson“ geschaut habe. Ich wurde also schon sehr früh angespitzt, weil ich die regelmäßig geschaut habe. Als ich dann Alucard synchronisiert habe, war es leichter als gedacht, weil ich Herrn Nakatas Stimme als Vorlage hatte. Nichts geht besser als das!

Aber zurzeit ist es schwer für mich wegen der vielen Arbeit Zeit zu finden den Fernseher überhaupt anzuschalten. Aber ich hab ja jetzt ein paar DVDs und schaue mir erstmal Serien an, wo Herr Nakata mitgesprochen hat!

Herr Nakata: Bei mir ist das ähnlich. Ich arbeite zurzeit auch sehr viel. Da bleibt der Fernseher auch aus. Selbst, wenn ich Videospiele fertig synchronisiert habe, komme ich nicht dazu das fertige Produkt mal zu spielen.

Wenn ich denn mal schaffe, etwas zu gucken, schaue ich „Ore Monogatari!“, „Psycho Pass“ oder „Prison School“.

Ich finde es gerade sehr interessant die deutsche Stimme von Alucard zu treffen.

Lunasa: Kannten Sie die Stimme von Herrn Münchow denn schon vor dem Treffen auf der Connichi 2015?

Herr Nakata: Noch nicht! Deswegen werde ich versuchen da was auf YouTube zu schauen, wenn ich wieder in Japan bin. Aber auf Panels haben Herr Münchow und ich Alucard vorgesprochen und da konnte ich schon die ersten Eindrücke sammeln.

Die deutsche Stimme von Alucard ist wirklich sehr angenehm anzuhören!

Herr Münchow: Ja!

Herr Nakata: Ja!

Ryuki.de: Oh, das war aber auf einer sehr gleichen Stimmebene!

Herr Münchow: Ja, das ist ja das Schöne mit Herrn Nakatas Stimme. Sie ist eine wirklich sehr gute Vorlage beim Synchronisieren! Ich gebe sehr vielen Charakteren meine Stimme und da sind Vorlagen eine große Hilfe.

Ryuki.de: Wie viele Rollen haben Sie ungefähr schon gesprochen?

Herr Münchow: Ich glaube so um die 1.500 Stimmen waren das schon.

Ryuki.de: Das sind aber sehr viele!

Herr Münchow: Naja, auf 30 Jahre verteilt, ist es nicht mehr ganz so viel.

Herr Nakata: Ich habe durch die vielen Sprachrollen oft das Problem, dass Fans mich auf eine bestimmte Rolle ansprechen und ich mich manchmal nicht mehr dran erinnere diese gesprochen zu haben. Im Nachhinein fällt es mir doch wieder ein aber im ersten Moment ist das immer ein komisches Gefühl.

Ryuki.de: Herr Münchow hatten Sie denn schon Mal Probleme bei der Synchronisation von Anime-Stimmen? Sie haben ja nicht nur Alucard gesprochen!

Herr Münchow: Nein, überhaupt nicht. Dafür sind die Vorlagen der japanischen Sprecher einfach viel zu gut! Ich höre mir die Vorlagen sehr lange an und irgendwann ist man im „Flow“.

Ryuki.de: Freut es Sie denn, dass die Hellsing OVAs nun endlich weiter gehen?

Herr Münchow: Ohja! Die waren eine ganze Weile aufgrund der Nationalsozialisten auf einer Black List.Ich weiß nicht, ob mich das blöd macht aber ich fand es gut, dass die Nationalsozialisten als Vampire dargestellt werden. Den Major hätte man auch gleich Göbbels nennen können.

Eine schwierigere Rolle für mich ist eigentlich Brenden Fraser in „teuflisch“, da er in dem Film sieben Mal die Charakterzüge aufgrund seiner sieben Wünsche ändert. Da muss man beispielsweise zwischen einem Homosexuellen und einem süd-amerikanischen Drogendealer wechseln.

Ryuki.de: Da stell ich mir das auch schwer vor, wenn ein und derselbe Charakter so verschiedene Persönlichkeiten hat.

Herr Münchow: Nee, es war schwierig, weil die Cutterin immer so viel lachen musste!

Ryuki.de: Achso!

Lunasa: Wie sind Sie eigentlich zur Synchronisation gekommen? Haben Sie schon vorher gewusst: „Ja, mit der Stimme kann man das ja Mal machen.“?

Herr Münchow: Nee, gar nicht. Ich habe erst die Akademie besucht und Schauspielerei gelernt, war dann auch auf einer speziellen Schule in New York und bin dann auf Bühnen aufgetreten.

Nach einem meiner Auftritte hatte mich Michael Harbecke einige ganze Weile in die Synchronisation eingeführt. 1990 wollte man alte Filme, wo Gérad Depardieu mitgespielt hatte, neu synchronisieren und hat dafür Leute gecastet. Man wollte da dann, dass die neue Stimme sehr an der von Manfred Lehmann ist. Ich bin dann zu diesem Casting gegangen und wurde Letzen endlich ausgewählt!

Ryuki.de: So leicht rutscht man also in die Synchronisation!

Herr Münchow: Das kann man nicht so sagen. Aber ich hab meine Arbeit gut gemacht und das hab ich der Einführung von Michael Harbecke zu verdanken. Es ist wichtig da die Grundlagen zu kennen. Das siehst du ja auch bei Herrn Nakata. Er ist ein Voll-Profi! Aber es kommt ursprünglich auch von der Bühne und nicht von einer Synchronisationsschule.

Herr Nakata: Das ist in Japan derzeit ein großer Trend! Viele Jugendliche sagen schon sehr früh von sich aus, dass sie Synchronsprecher werden wollen. Es wird derzeit als ganz besondere Fähigkeit gesehen. Ganz gefragt sind derzeit „Moe-Stimmen“, also sehr niedliche Stimmen.

Ich habe damals auch als Schauspieler angefangen und das Synchronsprechen war nur nebenbei. Nach und nach bin ich auch in die Synchronisation gerutscht. Schauspielerei ist für die Synchronisation auch sehr wichtig und ich hoffe, dass die jungen Synchronsprecher das auch mitlernen.

Herr Münchow: Da ist mir letztens in Deutschland letztens etwas aufgefallen. Wir haben ungefähr 60.000 arbeitslose Schauspieler hier, davon sind aber nur um die 15.000 ausgebildet. Der Rest sind Quereinsteiger!

Das macht sich ganz besonders in Serien- oder im Synchronbereich bei Kindern bemerkbar. Sie konzentrieren sich in jungen Jahren darauf, sind ganz gefragt und nach dem Stimmbruch ist es oft vorbei gewesen.

Lunasa: Ich kenn es so, dass Synchronsprecher viel nebenher machen um Finanziell gut dazustehen.

Herr Münchow: Ja, das stimmt wohl. Ich selber mache ja noch die Hörbücher. Aber hauptsächlich sehe ich mich als Schauspieler und nicht als Synchronsprecher. Ich habe Schauspielerei und Regisseur gelernt und das mache ich. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, was man machen kann. Dafür muss man den Beruf aber auch lernen!

Herr Nakata: Gibt es denn in Deutschland auch viele, die sagen „Ich möchte Synchronsprecher werden!“?

Herr Münchow: Ja, das gibt es. Aber die Schulen sind nicht so das Wahre. Das Schlimme ist in Deutschland: Die Leute machen ein paar Wochen einen Kurs für Synchronisation und bekommen dann eine Art Urkunde, dass sie das gemacht haben. Man könnte das fast mit dem Kurs, der hier auf der Connichi angeboten wird, vergleichen.

Ich habe mal ausprobiert wie viel Nutzen solche Kursgänger haben. Wie viele von 8 habe ich wohl genommen?

Ryuki.de: Einen…?

Herr Münchow: Gar keinen!

Herr Nakata: Aber es gibt wenigstens Schulen für die Synchronisation?

Herr Münchow: Ja aber die bringen nichts.

Lunasa: Da denke ich auch, dass es wegen Anime sehr populär in Deutschland geworden, dass viele zu solchen Schulen wollen.

Ryuki.de: Das denke ich auch.

Wir müssen leider langsam zu einem Ende kommen, da wir wegen der Zeit schon böse angeschaut werden!

Haben Sie von Ihrer Seite her noch irgendwelche Fragen?

Herr Münchow: Ich bin ganz zufrieden!

Ryuki.de Das ist gut!

Herr Nakata: In Amerika gucken auch sehr viele Leute Anime und dann mit originalem japanischen Ton. Ist das in Deutschland auch so?

Ryuki.de: Also ich bevorzuge auch die japanische Synchronisation. Manche Serien sind zwar gut synchronisiert, dennoch kann ich mich nicht mit allem anfreunden. Und es ist tatsächlich so, dass ich Herrn Nakata etwas verstehe, da ich durch die Serien Japanisch automatisch mitnehme.

Herr Nakata: Sehr interessant!

Ryuki.de: Da wir noch gern ein Foto hätten, müssen wir nun leider aufhören. Es war mir eine große Ehre und Freude dieses Interview zu führen!

Und dann wurde ein Foto gemacht! Ich darf es euch sogar zeigen!

Connichi 2015 - Interview Münchow Nakata

Herr Münchow und Herr Nakata sind richtig klasse Menschen und es war sehr beeindruckend ihre Stimmen direkt zu hören. Wir haben während des Interviews sehr viel gelacht und es herrschte eine angenehme Atmosphäre!

Ich möchte mich ganz herzlichst beim Connichi-Team bedanken, welche mir diese Möglichkeiten geboten haben und nachträglich hier nochmal Herrn Münchow und Herrn Nakata für ihre Zeit danken!

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